Game over für Kohle

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Wie der Handel mit CO2-Zertifikaten den Ausstieg beschleunigt und dem Klimawandel entgegenwirken

Im Jahr 2019 beschloss Portugal, den ursprünglich für 2030 geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung noch weiter vorzuziehen. Der neue Plan sah vor, die Energieerzeugung aus Kohle bis 2023 zu beenden, was jedoch sogar noch früher eintreten wird. Bereits seit Anfang 2020 laufen die portugiesischen Kohlekraftwerke nur noch im Standby-Betrieb. Das Land verzeichnete einen historischen Höchststand an Tagen ohne Kohlestrom, so dass es keine andere Möglichkeit geben wird, als die Kraftwerke bald endgültig abzuschalten. Ein solch schneller Wandel ist nicht typisch, vor allem nicht in großen Rohstoffindustrien. Wie kam es also dazu und welche Rolle spielten CO2-Zertifikate dabei? Gehen wir der Sache auf den Grund:

Kohleausstieg in Portugal 

Der Energieversorger EDP Group (Energias de Portugal) ist dabei, die beiden letzten verbliebenen Kohlekraftwerke des Landes zu schließen. Das 1,3-Gigawatt-Kraftwerk Sines, das für satte 12 Prozent der portugiesischen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, ging bereits Mitte Januar vom Netz, das Kraftwerk Pego-1 wird im November dieses Jahres folgen. Damit reiht sich Portugal neben Belgien, Österreich und Schweden als das vierte europäische Land ein, welches nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens komplett auf die Stromerzeugung aus Kohle verzichtet.

“Die Entscheidung basierte vor allem auf der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit dieser Anlagen”, sagt EDP-Pressesprecherin Helena Coelho. Die Gründe dafür seien “höhere CO2-Kosten, höhere Steuern und das geplante schnelle Wachstum der erneuerbaren Kapazitäten.” Nimmt man diese Worte für bare Münze, dann kann man daraus schließen, dass neben der Etablierung erneuerbarer Energien auch die Besteuerung und damit der politische Wille eine treibende Kraft hinter dem frühen Kohleausstieg war. 

CO2-Zertifikate sind der Gamechanger

Je nach Größe des Kraftwerks werden seit 2005 Verschmutzungsrechte in Form von CO2-Zertifikaten ausgegeben. Seitdem müssen Energie- und Industrieunternehmen für jede Tonne CO2, die sie in die Atmosphäre ausstoßen, ein Zertifikat erwerben. Sie haben aber auch die Möglichkeit, diese Zertifikate an Energiebörsen zu handeln.

Eine Studie der FAU Erlangen-Nürnberg, der WU Wien und der Fachhochschule Graubünden zeigt, dass die Verteuerung von CO2-Zertifikaten der effizienteste Weg wäre, die Treibhausgasemissionen bei der Stromerzeugung zu reduzieren. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass dies derzeit deutlich effektiver wäre als die direkte Förderung erneuerbarer Energien.

Wird der Preis für diese CO2-Zertifikate zu niedrig angesetzt, so die Studie, würden Solar- und Windkraft zunächst die relativ “sauberen” Gaskraftwerke verdrängen, während Kohlekraftwerke am Markt profitabel bleiben könnten. Eine höhere Steuer auf CO2-Emissionen würde hingegen dazu führen, dass Gaskraftwerke zunehmend Kohlekraftwerke ersetzen. Dies würde zu einer nachhaltigeren Stromerzeugung führen, da Erdgas nur etwa halb so viel CO2 ausstößt wie Kohle. Ein moderat hoher Preis für CO2-Zertifikate wird daher mittelfristig Kohlekraftwerke aus dem Markt verdrängen.

Die nächste Stufe der Nachhaltigkeit

Kehren wir also zurück nach Portugal. Dass die Kohlekraftwerke zuerst dem teuren CO2-Zertifikatspreis zum Opfer fallen, war wohl politisch so gewollt. Sie werden bald stillgelegt, aber durch die Einführung von Elektroautos, Ladestationen und sogar Elektroheizungen wird der Strombedarf steigen. Woher werden sie die Energie dafür hernehmen, und – noch wichtiger – wie kann dies auf nachhaltige Weise geschehen?

Portugal deckt bereits mehr als die Hälfte seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien, und dieser Anteil soll bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Dabei setzt das Land vor allem auf Wind und Wasser, will aber auch den Anteil der Solarenergie deutlich ausbauen. Auch Portugals EDP-Gruppe setzt ab sofort vermehrt auf nachhaltige Energie. Um die ehemalige Kohleanlage in Sines zu nutzen, will EDP es in eine nachhaltige Wasserstoffproduktion umwandeln und die Machbarkeit einer 10-Megawatt-Elektrolyse-Pilotanlage prüfen. Mit einer Gesamtnennleistung von 1,5 GW wird die Stromversorgung Portugals durch diese Kombination von Anlagen für erneuerbare Energien sichergestellt.

In Europa heißt es Game Over für Kohle 

Auch andere europäische Länder streben einen frühen Kohleausstieg an: Frankreich im Jahr 2022, Großbritannien im Jahr 2024 und Ungarn, Irland und Italien im Jahr 2025. Deutschland, Polen und die Tschechien haben einen Kohleausstieg nach 2030 geplant. Wenn man bedenkt, was in Portugal passiert ist, werden diese Ziele vielleicht schon viel früher als geplant erreicht werden. Denn eines ist sicher: Die Bepreisung von CO2-Emissionszertifikaten spielt eine Schlüsselrolle bei der Steuerung des Energiemarktes in Richtung nachhaltiger Ziele.

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